Urlaub im europäischen Zwergstaat

Posted by in Städtereisen

 

Warum müssen es immer die großen Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich sein? Entspannen kann man sicherlich auch in wesentlich kleineren europäischen Staaten. Da vielen Lesern wohl kaum im Bewusstsein, nehmen wir die sechs europäischen Zwerge mal unter die Lupe.

Kann man Urlaub im europäischen Zwergstaat machen, ohne das Land aufgrund gefühlter Enge verlassen zu wollen?

 

Die kleinen Sechs:

 Zu den sechs europäischen Zwergstaaten gehören die folgenden nach ihrer Größe aufsteigend geordneten Länder:

  1. Vatikanstaat
  2. Monaco
  3. San Marino
  4. Liechtenstein
  5. Malta
  6. Andorra

Der mit Abstand kleinste Staat ist der Vatikan. Gerade einmal 832 Menschen leben und arbeiten auf 0,44 km². Der flächenmäßig größte unter den 6 ist Andorra. Dort leben etwa 85.000 Menschen auf 468 km².

Unter dem Begriff Zwergstaat werden offiziell die sechs genannten Länder verstanden. Ihnen ist zwar eine sehr kleine Landfläche gemein, dennoch sind sie wie jeder andere Staat auch vollkommen eigenständig. Luxemburg oder Island sind zwar flächenmäßig ebenfalls klein, dennoch entschieden zu groß, um in die Riege der Zwergstaaten aufgenommen zu werden.

 

Der Vatikanstaat

 Im Herzen der italienischen Hauptstadt Rom gelegen, gilt der Vatikan als der kleinste Staat der Welt. Klein, aber oho! Als Zentrum der katholischen Kirche, hat dieser Zwerg ganz Europa geprägt und die Weltgeschichte maßgeblich beeinflusst.

Wer im Vatikan übernachten möchte, der hat recht wenig Auswahl. Im gesamten Staat gibt es nur ein einziges Hotel, das „Residenza Paolo VI“, mit Blick auf den Petersplatz.

Der Petersplatz bildet mit dem Petersdom das Zentrum des Katholizismus. Am Petersdom wird zum Beispiel die Ostermesse abgehalten. Auch andere Sehenswürdigkeiten wie das Vatikanische Museum oder die Vatikanischen Gärten können besichtigt werden.  Bei Letzterem handelt es sich um eine Gartenanlage, die rund die Hälfte des gesamten Staatsgebietes ausmacht.

 

Monaco

 Das Fürstentum Monaco liegt an der Mittelmeerküste und wird von Frankreich umschlossen. Auf zwei km² tummelt sich die internationale High Society. Etwa 36.000 Einwohner hat das Fürstentum, wovon 78% Ausländer sind. Monaco hat mit 16.000 bis 17.000 Einwohnern pro km² die höchste Bevölkerungsdichte der Welt.

 Im Vergleich zu seiner Größe hat der Staat kulturell recht viel zu bieten. Wer sich für schöne Bauwerke interessiert, kommt schnell auf seine Kosten. Die Kathedrale Notre-Dame-Immaculée, Sitz des monegassischen Erzbischofs, ist nur eines unter vielen. Fast schon protzig kommt die Salle Garnier daher. Das Opernhaus Monacos wurde von Charles Garnier erbaut, welcher auch schon die weltbekannte Pariser Oper errichtete.

 Auch der weltberühmte Jacht-Hafen ist einen Besuch wert. Boote und Jachten liegen dort vor Anker, die selbst betuchte Zeitgenossen vor Neid erblassen lassen. Der größte Hafen liegt selbst verständlich in Monte Carlo.

 Monte Carlo, so lautet der Staatteil, wo es die internationale Prominenz in Scharen hinzieht. Grund dafür ist wohl unter anderem das weltbekannte Casino de Monte Carlo, das schon seit 1856 als offizielle Spielbank fungiert. Monaco hat alles, um Ihnen einen tollen Urlaub im europäischen Zwergstaat zu garantieren!

 

San Marino

 Die älteste Republik der Welt wird von Italien vollständig umschlossen und befindet sich unweit von der italienischen Adriaküste entfernt. Auf etwa 60 km² leben mehr als 32.000 Menschen.  Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von über 536 Einwohnern pro km². Zum Vergleich dazu Deutschland, das ohnehin schon als sehr urbanisiert gilt: mehr als 220 Einwohner pro km².

Die kleine Republik ist auf und um den Berg Monte Titano in den Apenninen gelegen.  Sie besteht aus 9 Gemeinden. Die Hauptstadt – sie trägt ebenfalls den Namen San Marino – gilt auch als der Touristen-Magnet des Landes.

Als Sehenswürdigkeiten zu empfehlen sind unter anderem der neogotische Regierungspalast sowie die Altstadt und die Burg von San Marino. Die Altstadt vermittelt durch seine engen Gassen ein verträumt-romantisches Flair. Sie ist direkt auf dem Monte Titano gelegen. Von der Burg aus wird jeder Besucher – etwa 3 Millionen pro Jahr – bei gutem Wetter mit einem Ausblick bis zur Adria belohnt.

 

Liechtenstein

 Das Fürstentum liegt zwischen Österreich und der Schweiz. Der Staat ist kein Mitglied der Europäischen Union. Als offizielles Zahlungsmittel gilt der Schweizer Franken.  Etwa die Hälfte des Staatsgebietes ist Gebirge, Wanderbegeisterte kommen somit auch auf dieser kleinen Fläche auf ihre Kosten.

Residenzstadt des Fürstentums sowie Sitz der Regierung ist die Hauptstadt Vaduz. Trotz ihrer geringen Größe hat die Stadt nicht wenig zu bieten. Ein Schloss, viele mittelalterliche Gebäude und Sakralbauten wie die Kapelle von St. Florin. Außerdem gibt es neben einem Landesmuseum noch ein Post- und ein Kunstmuseum. Letzteres ist erst im Jahre 2000 eröffnet worden und bietet Ausstellungsstücke moderner und zeitgenössischer Kunst.

 

Malta

Das Land hat mit einer Einwohnerzahl von mehr als 400.000 die fünfthöchste Bevölkerungsdichte der Welt.  Zum Staatsgebiet gehören die Inseln Malta, Cosimo und Comino sowie vier weitere unbewohnte Inseln. Seit 2004 gehört es zur Europäischen Union.

Das Land ist ebenfalls Mitglied des Britischen Commonwealth und war bis 1964 noch Kolonie des britischen Mutterlandes. Neben der Muttersprache Maltesisch ist auch Englisch offizielle Sprache des Landes.

Ein Problem, womit die Insel Malta zu kämpfen hat, ist ihre latente Wasserknappheit. Dies wirkte sich auch auf die Vegetation aus. Bäume sind eher selten. Allenfalls Feigenbäume gehören zum sonst eher kargen Landschaftsbild.

Als Sehenswürdigkeit ist Valetta, die kleinste Hauptstadt der Europäischen Union, zu nennen. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte zusammen mit dem jährlich hohen Aufkommen an Touristen sind die Straßen stets lebendig. Die Stadt ist am Hafen gelegen, besitzt historische Tempel- und Festungsanlagen sowie wunderschöne Kirchen.

Auffallend ist überdies die Freundlichkeit der Maltesen, stets hilfsbereit und gastfreundlich. Malta ist im Gegensatz zu den anderen Zwergstaaten ein typisch südeuropäisches Urlaubsland für Strandliebhaber. Die Insel bietet für jeden Geschmack das Richtige: Strand, Kultur oder Feiern bis zum Morgengrauen.

 

Andorra

 Der sechste und größte Staat im Bunde ist Andorra. Befindet sich in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Als Amtssprache wird offiziell Katalanisch gesprochen. Im Alltag begegnet man trotzdem sehr häufig Spanisch und hin und wieder Portugiesisch oder Französisch. Ein Großteil der Bevölkerung sind Einwanderer.

Die höchstgelegene Hauptstadt Europas, Andorra (la Vella), ist zugleich die einzige Stadt des Landes. Auch in Andorra la vella sind viele imposante Bauwerke zu finden. So z.B. „La Margineda“, die im Mittelalter erbaute romanische Brücke oder der Parlamentssitz „Casa de la Vall“.

Auch außerhalb der Hauptstadt ist das Land recht sehenswert. Vall del Madriu-Perafita-Claror ist einen Besuch wert. Der Landstrich ist UNESCO-Weltkulturerbe, von Gletschern geprägt, von waldreichen Tälern und steilen Weideflächen durchzogen. Noch heute wird in dieser Gegend Weidewirtschaft betrieben. Zudem ist die Kultur der Bergvölker dort noch sehr lebendig. Es sind keine Denkmäler oder Ähnliches, die dem Gebiet den Status eines Weltkulturerbes eingebracht haben. Es ist vielmehr der Eindruck über das jahrhundertelange naturverbundene Leben, welches jedem Touristen unweigerlich vermittelt wird.

Verschaffen Sie sich also Ihren eigenen Eindruck von den sechs Zwergen Europas. Einen Vorteil bieten alle Länder: Sollte Ihnen doch langweilig werden, so haben Sie die Möglichkeit aufgrund geringer Distanz bis zu zwei weitere Nachbarstaaten kennen zu lernen.

 

Titelbild: Titel Monaco, Quelle: Kurt Bauschardt auf flickr.com

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
Christoph Wunderlich

Letzte Artikel von Christoph Wunderlich (Alle anzeigen)