Karneval weltweit

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Karneval in Venedig von Gerhard Salomon (Eigens Werk) via Wikimedia Commons

Karneval in Venedig von Gerhard Salomon (Eigenes Werk) via Wikimedia Commons

Karneval, Fastnacht, Fasching – egal wie die fünfte Jahreszeit auch immer bezeichnet wird, sie ist und bleibt die ausgelassenste Zeit des Jahres zwischen dem 11. November und dem Aschermittwoch. So zumindest in Deutschland. Köln, Düsseldorf und Mainz sind uns als Karnevalshochburgen unlängst wohlbekannt, doch wie feiert eigentlich der Rest der Welt?

 

Begeben Sie sich in diesem Artikel auf eine Karnevalsreise von Europa über Nord- nach Lateinamerika und erfahren Sie, wie sich die jeweiligen Sitten und Bräuche von den unsrigen in Deutschland unterscheiden.

 

Karneval in Europa

 

Auch unsere Nachbarn sind zu dieser Zeit in ausgelassener Feierstimmung. So zum Beispiel in den Ländern Spanien, Portugal oder Italien, deren Faschingstreiben dem hiesigen in nichts nachsteht.

 

Venedig (Italien)

 

Der Karneval in Venedig, der Carnevale Veneziano, ist streng genommen die edle Variante des Karnevals in Deutschland. Der deutsche Karneval besticht durch ausgelassene Stimmung und politischen Spott. In Venedig hingegen spielt das Verkleiden eine größere Rolle als bei uns. Das Spiel mit der Identität steht im Mittelpunkt des venezianisch-karnevalesken Treibens. Das Tragen von Masken steht wie der Karneval selbst in antiker Tradition. Sie selbst waren allerdings ursprünglich kein alleiniger Brauch zur Zeit der fünften Jahreszeit.

 

Karnevalsmasken wurden auch zu Banketten oder offiziellen Festen getragen. Sie boten Schutz vor den Blicken der ärmeren Bevölkerung. Selbst Casanova, in der Literatur als Meister der Verführung bekannt, bediente sich der Maske um sich der Verantwortung seiner lüsternen Eskapaden zu entziehen.

 

Heute erstreckt sich der offizielle venezianische Karneval auf 10 Tage. Er beginnt mit dem „Engelsflug“ über dem Markusplatz um 12 Uhr mittags. Der Engel schwebt vom Markusturm zum Dogenplast herab. Begleitet wird das Szenario von Livemusik, Konfetti-Regen und bunten aufsteigenden Luftballons. Der Markusplatz ist der karnevaleske Mittelpunkt der Stadt. Auf ihm folgen in den Tagen darauf u.a. Kostümwettbewerbe und zahlreiche Livemusikveranstaltungen. Aber auch die Museen und Theater der Stadt warten passend zum Karneval mit speziellen Programmen auf.

 

Santa Cruz, Teneriffa (Spanien)

 

Die Kanarische Insel Teneriffa ist zwar flächenmäßig recht klein, nichtsdestotrotz wartet sie alljährlich mit dem zweitgrößten Karneval der Welt auf. Ein größeres Spektakel bietet nur noch Rio de Janeiro. Mit der Wahl der Karnevalskönigin und der Kinderkönigin wird die narrische Zeit offiziell eingeläutet. Den Höhepunkt bildet der „Coso“, der große Umzug am Faschingsdienstag. In den Straßen von Santa Cruz werden prächtige und farbenfrohe Kostüme zur Schau getragen. Bei frühlingshaften Temperaturen ist der starke lateinamerikanische Einfluss besonders spürbar. Die Ausgelassenheit, die Vielfalt der Kostüme lassen durchaus einen Vergleich zum brasilianischen Vorbild zu.

 

Madeira (Portugal)

 

Ähnlich farbenfroh und mit brasilianischem Touch versehen ist auch der Karneval auf der portugiesischen „Blumeninsel“ Madeira. Als Höhepunkte gelten die beiden Umzüge, am Faschingssamstag und Faschingsdienstag. Die Hauptstadt Funchal steht zu diesem Zeitpunkt Kopf. Zahlreiche Samba-Gruppen defilieren durch die Stadt. Zielpunkt beider Umzüge ist der Rathausplatz im Zentrum. Dort finden Kostümwettbewerbe begleitet von Live-Musik, dem Jubel und den leidenschaftlichen Tänzen der versammelten Bewohner statt.

 

 

Karneval in Nordamerika

 

Beim Blick nach Amerika fällt der Fokus nicht selten sofort auf Brasilien. Doch auch in den USA und im kalten Kanada wird mit Leib und Seele gefeiert.

 

New Orleans (USA)

 

Wer sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in den USA befindet, sollte das Mardi-Gras-Festival in New Orleans ganz weit oben auf der Agenda vermerken. Das bekannte „French Quarter“ wird überlaufen von Studenten, Junggesellen und sonstigen faschingsbegeisterten Amerikanern und ausländischen Touristen. Die Bezeichnung Mardi Gras kommt ursprünglich aus dem Französischen und heißt nichts Anderes als Faschingsdienstag. An diesem offiziellen Feiertag verkleidet sich beinahe die ganze Stadt und bestaunt die zahlreichen überbordend geschmückten Paraden auf der Bourbon Street sowie im French Quarter. Dieser Karneval hat derart Tradition, dass nicht einmal die verheerenden Zerstörungen durch Hurricane Kathrina die Bewohner vom ausgelassenen Feiern abhalten konnten. Die Stadt erstrahlt in den Farben Violett, Gold und Grün; in dieser Reihenfolge Symbole für Gerechtigkeit, Macht und Hoffnung.

 

 

Québec (Kanada)

 

Dieser zumeist französischsprachige Teil Kanadas ist für sein bitterkaltes Winterwetter bekannt. Ausgelassenes karnevaleskes Feiern wird ihm wohl weniger zugeschrieben. Mardi Gras in New Orleans, Carneval de Rio in Brasilien und was feiert der Quebecois? Den „Carneval d’hiver“, der Winterkarneval. In den ersten 10 Februar-Tagen wird in der frankokanadischen Provinz dem Winter mit Umzügen, Eisskulpturen und Wettbewerben getrotzt. Doch hart gesotten sollte der Besucher schon sein. Schneebaden in sommerlicher Badebekleidung oder das Überqueren des vereisten St.-Lorenz-Stroms im Ruderboot ist nichts für Zartbesaitete. Wärme verspricht der nur zur Zeit des Karnevals produzierte „Caribou“, eine hochprozentige Cognac-Rotwein-Mischung.

 

 

Karneval in Lateinamerika

 

Es gibt ihn in nahezu allen lateinamerikanischen Ländern, doch allen voran steht in der Beleibtheit und Bekanntheit der brasilianische Karneval.

 

Rio de Janeiro (Brasilien)

 

Der Begriff „Carnevale“ kommt aus dem Lateinischen „carnem levare“ („das Fleisch wegnehmen“) und weist damit auf den anstehenden Beginn der Fastenzeit hin. In Rio wird hingegen die Fleischeslust geweckt, und dies in jeder Hinsicht. Der Körperkult hat in Brasilien Tradition und entlädt sich gerade zur Zeit des Karnevals auf besonders leidenschaftliche Art und Weise.

 

Ein bloßes farbenprächtiges Spektakel  ist der Carneval de Rio allerdings nicht. Er ist weit mehr als das, eine minutiös organisierte Großveranstaltung. Was dem US-Amerikaner sein Superbowle, ist dem Brasilianer sein Carneval de Rio de Janeiro. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet die Parade der Sambaschulen im eigens dafür errichteten Sambódromo im Herzen der Stadt.

 

Dort dürfen allerdings nur die größten und aus dem vorjährigen Wettstreit erfolgreich hervorgegangenen Sambaschulen mit jeweils rund 3000 bis 4000 Mitgliedern flanieren. Etwa 5 Mio. Besucher lockt das Treiben jedes ja nach Brasilien. Es beginnt am Freitag vor Aschermittwoch. Die Karnevalsparaden finden am Faschingssonntag und –montag statt. An diesen Tagen stellen sich die größten Sambaschulen des Landes den kritischen Blicken der Punktrichter. Die Punkte werden dann im Anschluss am Aschermittwoch ausgewertet. Dies wird in allen Kanälen des Landes übertragen.

 

Ob eiskalt in Kanada, feurig heiß in Brasilien oder edel und glamourös in Venedig, zur Zeit des Karnevals regiert allerorts ausgelassene Lebensfreude. Eine Lebensfreude, der sich nur sehr schwer entzogen werden kann. Faschingsneulinge müssen nicht gleich ins Ausland reisen. Ein Besuch in Köln oder Düsseldorf ist mindestens genauso erlebnisreich.

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
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