Städtereise Marseille

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Städtereise Marseille

Frankreich ist für Nicht-Europäer der Inbegriff für den alten Kontinent, die Wiege der europäischen Geschichte. Erster Anlaufpunkt ist verständlicherweise auch Paris. Die französische Hauptstadt ist die meistbesuchte Stadt Europas und steht gefühlt omnipräsent über allen anderen Städten des Landes.

 

Das Gegenstück zu Paris ist Marseille, auf den ersten Blick so untypisch, auf den zweiten doch so typisch stellvertretend für das ganze Land. Eine Städtereise nach Paris gehört mittlerweile schon zum Standard, Marseilles entpuppt sich hingegen zum absoluten Geheimtipp. Warum sich Marseille für eine ausgedehnte Städtereise lohnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

 

Marseille physisch

 

Die am Mittelmeer gelegene Großstadt bildet nach Paris die zweitgrößte Metropole Frankreichs. Etwa 900.000 Einwohner (Stand 2012) leben in der französischen Hafenstadt. Als Verwaltungssitz der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur gilt Marseille auch als „Tor zum Mittelmeer“. Für zahlreiche Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien gilt der Marseiller Hafen, drittgrößter auf dem Kontinent, gar als Tor zu Europa.

 

Viele Einwanderer betreten den europäischen Kontinent erst über den Hafen von Marseille. Von dort aus geht es dann weiter in das übrige Frankreich oder in dessen Nachbarstaaten. Ein Großteil der aus den islamisch geprägten Staaten stammenden Immigranten wird  gleich in der Hafenstadt sesshaft. Marseilles muslimische Gemeinde zählt heute 200.000 Mitglieder.  Die Stadt gilt als multikultureller Schmelztiegel schlechthin. Ihre Einwohner haben unter anderen algerische, marokkanische, italienische, chinesische sowie senegalesische Wurzeln.

 

Das negative Image der Stadt

 

Das kulturelle Aufeinandertreffen seiner Bewohner birgt auch Risiken, weswegen die Stadt seit den 80er Jahren zu trauriger Berühmtheit gelangte. Mit dem Namen der Stadt fallen häufig im selben Atemzug die Worte Kriminalität und Rassismus. Auseinandersetzungen zwischen Banden sind tatsächlich keine Seltenheit. Nach wie vor erreicht die rechtsradikale Partei „Front National“ eine erschreckend hohe Wählerschaft. Dies ist offenbar Ausdruck für eine beängstigte Wählerschaft, unsicher in Hinblick auf soziale Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Allein 2010 erhielt die Partei bei Regionalwahlen 20 Prozent der Stimmen.

 

In Marseille zeigen sich auf kleinem Raum die Auswirkungen einer vergangenen imperialistischen Politik. In keiner anderen Stadt zeigt sich die typische Zusammensetzung der französischen Gesellschaft mitsamt ihren Problemen, darunter auch die hohe Arbeitslosigkeit, meist unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

 

Die positive Seite der Stadt – Highlights

 

Als „ville en crise“ in der öffentlichen Wahrnehmung fast schon eingebrannt, steht sie auf den ersten Blick im Gegensatz zu Paris als Inbegriff einer fast schon künstlich anmutenden „ville musée“.

 

Doch auch Marseille hat einiges zu bieten. Nicht umsonst wurde die französische Metropole neben der slowakischen Stadt Košice zur europäischen Kulturhauptstadt 2013 gewählt. Sie hat das Jahr genutzt und versucht es immer noch, dem schlechten Image entgegenzutreten. Allein 2013 fanden in und um Marseille über 400 Kulturveranstaltungen aus den Bereichen Tanz, Musik, Theater, Literatur und Kino statt.

 

Unweit vom Vieux-Port wurde das MuCEM errichtet, das Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée. Das erste Nationalmuseum außerhalb Paris besticht durch eine moderne, offen gestaltete Architektur. Es wurde am 7. Juni 2013 eröffnet und verschlang für seinen Bau ganze 190 Millionen Euro. Das aktuelle Programm sowie Öffnungszeiten können auf der Seite http://www.mucem.org nachgelesen werden.

 

Titel: MUCEM Quelle: Selden Vestrit auf Flickr.com

 

Aber auch ältere Bauwerke und Plätze, welche das Bild der Stadt prägen, sind in Marseille zu finden:

 

Le Vieux-Port

 

Der „Alte Hafen“ bildet das Zentrum der Metropole. Seine Gründung geht bis auf die Zeit der Antike zurück. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war er das wirtschaftliche Zentrum, Umschlagplatz für Waren aus den ehemaligen französischen Kolonien. Heute dient er lediglich als Yacht-Hafen. Der Seehandel hat sich nach Norden an den Europort verlagert.

 

Château d’If

 

Eine im 16. Jahrhundert errichtete Gefängnisfestung thront erhaben auf einer felsigen vorgelagerten Insel, vergleichbar mit dem berühmt berüchtigten Alcatraz-Gefängnis vor San Francisco. Der Schriftsteller Alexandre Dumas verhalf der Festung schließlich zu internationaler Aufmerksamkeit. In seinem 1844 erschienenen Werk „Der Graf von Monte Christo“ dient das Château d’If teileweise als Handlungsort.

 

Château Borély

 

Das Schloss wurde im 18. Jahrhundert von der Unternehmer-Familie Borély erbaut. Die Familie setzte damit ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt ein Denkmal. Heute gehört das Anwesen der Stadt und dient als Zeugnis provenzalischer Baukunst des 18. Jahrhunderts.

 

Palais du Pharo

 

Die von Napoléon III errichtete Residenz ist auf einem Felsplateau gelegen und gehört zu den schönsten Bauten Europas. Sie wurde allerdings nie von ihm bewohnt und nach seinem Tod zur Medizinschule umfunktioniert. Heute dient das Anwesen als internationales Kongresszentrum.

Notre-Dame de la Garde

 

Als „bonne mère“, zu Deutsch „gute Mutter“, bezeichnet, thront sie erhaben auf einer 161 m hohen Anhöhe über der Stadt. Die Bischofskirche wird jährlich von über 2 Millionen Menschen besucht und ist als das Wahrzeichen der Stadt bekannt. Im Jahre 1879 wurde sie in den Rang einer Basilica minor erhoben.  Ein solcher Ehrentitel wird vom Papst verliehen und stellt die Bedeutung der Kirche für das ganze Umland heraus.

 

Cathédrale de la Major

 

Das prestigeträchtige Bauprojekt einer monumentalen Kirche wurde im 19. Jahrhundert umgesetzt. In der Nähe des Hafens gelegen, diente der Prachtbau nicht nur als Orientierungspunkt für Seefahrer, sondern auch als Statussymbol der Stadt. Die Kirche gilt als eines der größten religiösen Monumente, die nicht im Mittelalter errichtet wurden.

 

Titel: Marseille – Cathédrale de la Major Quelle: joseph_hilfiger auf fotolia.com

 

In Marseille gibt es neben den bereits beschriebenen noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. So zum Beispiel das an den Stil des Historismus angelehnte Palais Longchamp. Auch ein  Spaziergang auf der Prachtstraße La Canebière ist zu empfehlen. Dem Vergleich mit der berühmten Pariser Champs Elysée wird sie wohl nicht standhalten, doch das Flanieren vorbei an denkmalgeschützten Gebäuden ist mindestens genauso schön.

 

Günstige Direktflüge nach Marseilles mit Air France

 

Von den deutschen Flughäfen wird Marseilles in der Regel mit einem Zwischenstopp in Paris angeflogen. Vom Flughafen Düsseldorf geht es zum Beispiel mit der Maschine erst nach Paris, per Anschlussflug dann weiter nach Marseille.

 

Die französische Fluggesellschaft Air France bietet ab Berlin sogar günstige Non-Stop-Verbindungen an. Ein Direktflug nach Marseilles verkürzt die Reisezeit und macht Sie um einiges angenehmer. Ein Verzicht auf einen Zwischenstopp in Paris macht jeden Reisenden ganz und gar unvoreingenommen.

 

Marseille ist generell mit der Hauptstadt nicht zu vergleichen. Das hat die Metropole auch gar nicht nötig. Sie sieht sich selbst als die junge Wilde, als kein Paris am Meer. Die Stadt zeichnet sich aus durch ihren kulturellen Mix und der freundlich-authentischen Lebensweise seiner Bewohner. Getreu dem Motto: „Nur die Stadt ist wirklich. Marseille. Und alle, die dort leben.“ (Jean-Claude Izzo, „Die Marseille-Triologie“).

 

Titelbild: Marseille harbour Quelle: mcveja auf flickr.com

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
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