Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn

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 Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn – eine Reise um die halbe Welt. Von Moskau bis Wladiwostok am Pazifik erstreckt sich die längste Eisenbahnverbindung auf dem Globus. Sie ist die Hauptverkehrsachse Russlands und 9288 km lang. Auf ihrem Weg durch das ehemalige Zarenreich macht sie Halt an etwa 80 Stationen.

 

Unendliche Weiten, klirrende Kälte und die besonders unter Deutschen aufkommende Vorstellung von Nachkriegsstraflagern laden den Mythos Sibiriens auf und reisen ständig in Gedanken mit. Was gibt es tatsächlich auf einer Reise quer durch Russland zu erleben? Und was gilt es überhaupt zu beachten? Auf diese und weitere Fragen wird im nachfolgenden Artikel eine Antwort gefunden.

 

Informationen zu Russland

 

Das Land zieht sich, und zwar richtig: über ganze 9 Zeitzonen. Aus dieser Tatsache lässt sich wohl deutlich ableiten, dass intensiver Kontakt mit der russischen Mentalität nicht ausbleiben kann.

 

Besonders herzlich kann es schon mal in der 3. Klasse werden. Auch wenn man seinem Gegenüber schon mehrmals darauf hingewiesen hat, kann es trotzdem vorkommen, dass man als Ausländer regelrecht ausgefragt wird.

 

Die Kommunikation lässt sich leider nicht mit Vodka – auch wenn es teilweise tatsächlich wie Wasser konsumiert wird – überbrücken. Englisch gilt zwar als Weltsprache, leide macht sie scheinbar vor der russischen Grenze halt. In Russland kommt man mit Englisch nicht weit! Darum lohnt es sich, zumindest im Vorhinein ein paar Brocken Russisch zu lernen.

 

Organisation der Reise

 

Die drei grundlegenden Fragen, welche sich bei der Planung der Reise im Zug stellen, sind die nach dem Visum, der Krankenversicherung und die Frage nach dem Bargeld.

 

Visum

 

Ein russisches Visum für den gesamten Zeitraum der Zugreise zu erhalten ist nicht ganz einfach. Für die Visumsbeantragung sollte sich demnach mindestens ein halbes Jahr Zeit genommen werden. Für Kurzentschlossene ist eine Fahrt in der Transsibirischen Eisenbahn also nicht zu empfehlen.

 

Der Visumsantrag kann auf der Seite des russischen Konsulats heruntergeladen werden. Zudem benötigen Touristen noch eine Einladung oder Bestätigung des Reiseveranstalters. Schwierig wird es für Individualreisende genau dann, wenn sie an unterschiedlichen Orten übernachten möchten. Es müssten somit mehrere Bestätigungen angefordert werden. Genau für dieses Problem gibt es Reiseveranstalter, bei denen eine solche Bestätigung gegen Bezahlung angefordert werden kann.

 

Des Weiteren werden Antragsteller vom Konsulat vorgeladen. Erst nach einem erfolgreichen Gespräch vor Ort wird das Visum endgültig ausgestellt. Wer sich die bürokratischen Bemühungen weitgehend ersparen will, der kann sich für den gesamten Prozess von speziellen Agenturen unterstützen lassen.

 

Krankenversicherung

 

Eine Voraussetzung für den Erhalt eines Visums ist der Nachweis einer für Russland gültigen Krankenversicherung. Leider werden die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht akzeptiert. In diesem Fall muss sich zusätzlich privat reiseversichert werden. Hierfür kann sich bei Visumsagenturen Hilfe geholt werden.

 

Bargeld

 

Lange Zeit war das Abheben von Bargeld mit recht hohen Kosten verbunden. Mittlerweile gibt es Direktbanken, welche Girokonten mit kostenloser Kreditkarte anbieten. Mit dieser Kreditkarte ist es möglich, an allen Geldautomaten im Land problemlos Geld abzuheben.

 

Gepäck

 

Grundsätzlich gilt: Eine Pauschalreise ist mit einer Individualreise nicht zu vergleichen! Das gilt insbesondere für Kleidung und die Art des Gepäcks. Rollkoffer z.B. sind zwar auf glatten Flächen praktisch, doch im Zug völlig unbrauchbar, da sie oft zu groß und sperrig sind. Oftmals einfacher durch die Wagons transportieren lassen sich hingegen Rucksäcke.

 

Die Kleidung ist selbstverständlich jahreszeitenabhängig. Im Winter können die Temperaturen schon mal auf bis zu -40 °C fallen. Eine bewehrte Kleidungsmethode ist die Zwiebeltechnik. Mehrere dünnere Schichten führen dazu, dass Wärme nicht so schnell nach außen dringt. Außerdem nimmt dickere Kleidung mehr Platz im Rucksack weg.

 

Als Kleidung während der Zugreise kann ruhigen Gewissens auch einmal auf  Jogginghose und Pantoffeln zurückgegriffen werden. Russen haben es auf dieser Fahrt ebenfalls gern gemütlich und stören sich demnach keineswegs an einem heimeligen Stil.


Die Reise im Zug

 

Vor der Reise

 

Dass man sich in einem fremden Land befindet, fällt schon vor der Einfahrt des Zuges am Bahnhof auf. An russischen Bahnhöfen wird in Wartehallen gewartet. Erst wenn der Zug eingefahren ist, öffnen sich die Türen zum Bahnsteig. Reisende dürfen nur in den Wagon einsteigen, der auch auf Ihrem Ticket steht. Vor den Wagen stehen jeweils zwei Schaffner, welche nach dem Ticket und im Falle von Ausländern nach dem Reisepass fragen.

 

Nach dem Einstieg erhält der Fahrgast seine Bettwäsche und muss sein Reiseticket beim Schaffner abgeben. Jetzt kann sich ruhig gemütlich gemacht werden. Schließlich handelt es sich bei einer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn nicht um eine kurze Fahrt von beispielsweise München nach Berlin. Das Aushändigen der Tickets hat folgenden Vorteil: der Schaffner weiß genau an welchem Zielbahnhof der Reisende aussteigen muss und gibt ihm rechtzeitig Bescheid.

 

Die Ausstattung

 

Alle Wagons sind klimatisiert. Allerdings nur, solange der Zug auch in Bewegung ist. Jeder Zug ist mit einem Speisewagen ausgestattet. Bei einer Zuglänge von bis zu 500 m kann der Weg dorthin schon mal recht lange dauern.

 

Die transsibirische Eisenbahn verfügt über drei Wagenklassen: Platzkartny, Kupe und Lux:

 

  • Platzkartny: In der dritten Klasse gibt es nur einen Großraumwagen. Etwa 54 Zuggäste können dort auf Doppelstockbetten nächtigen. Sich mit so vielen Menschen zu umgeben und sich nur eine einzige Toilette zu teilen ist nicht jedermanns Sache. Um die russische Kultur aus nächster Nähe kennen zu lernen, dafür ist die dritte Klasse ideal. Wer seine Ruhe braucht, ist dort völlig fehl am Platz.

 

  • Kupe:  In der zweiten Klasse geht es wesentlich ruhiger zu. Da diese Klasse meist von ausländischen Touristen gebucht wird, geht der Kontakt zu Einheimischen verloren. In einem Abteil befinden sich vier Betten, welche wie in der dritten Klasse als Etagenbetten angeordnet sind.

 

  • Lux: Die Abteile der ersten Klasse sind nur noch mit zwei Betten ausgestattet, für Pärchen ideal. Zudem sind beide Schlafmöglichkeiten nicht zu einem Doppelstockbett zusammengefasst. Der Preis ist in etwa dreimal so hoch wie der der dritten Klasse.

 

Die Toiletten sind in allen Klassen vergleichbar mit deutschen Zugtoiletten. Jeder Wagen besitzt genau eine. In der zweiten und ersten Klasse muss man sich diese mit weit weniger Menschen teilen als in der dritten. Auch wenn die beiden Klassen Lux und Kupe teurer sind, heißt das noch lange nicht, dass auch zwingend Duschen vorhanden sein müssen. Duschen sind generell nicht in jedem Zug vorhanden.

 

Die Strecke

 

Die transsibirische Eisenbahn fährt nicht nur auf einer Strecke. Im westen Russlands, auf europäischer Seite, gibt es keine prinzipiell festgelegten Anfahrtsstädte. Erst auf der asiatischen Seite wird die Streckenvielfalt je weiter man nach Sibirien gelangt auf nur eine Verbindung beschränkt. Am Baikalsee teilt sich die Strecke in unterschiedliche Varianten:

 

  • Zum einen kann von Moskau nach Wladiwostok (ursprüngliche Strecke) gefahren werden ohne Russland zu verlassen.

 

  •  Auf der Transmongolischen Strecke durchquert der Zug die Mongolei und fährt bis nach Peking.

 

  • Auf der Transmandschurischen Strecke wird Russland erst weiter östlich verlassen. Der Zug überquert dort die Grenze nach China und fährt ebenfalls bis nach Peking.

 

Eine Fahrt in der Transsibirischen Eisenbahn ist keineswegs mit einer normalen Eisenbahnreise zu vergleichen. Auf dem Weg bis nach Wladiwostok bzw. Peking erschließen sich gerade für den Westeuropäer Regionen der Erde, die ihm womöglich völlig fremd erscheinen. Ob in Nowosibirsk, der Hauptstadt Sibiriens, in Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt oder in Peking, längere Zwischenaufenthalte sind unbedingt zu empfehlen.

 

Gestalten Sie Ihre individuelle Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Airparks wünscht viel Spaß dabei und tolle Eindrücke von der anderen Seite der Welt.

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
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