Malta mit dem Mietauto erkunden

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(Ein Gastbeitrag von Albert Karsai)

Malta ist keine große Insel – ihre Schwester Gozo sogar noch kleiner – doch sie hat alles, um eine ganze Urlaubswoche lang für Unterhaltung zu sorgen. Aufgrund ihrer Lage südlich von Sizilien gibt es mehr als 300 Sonnentage im Jahr. Selbst wer nicht im Sommer kommt, um die herrlichen Felsenbuchten zu genießen, wird sich angesichts der vielen Sehenswürdigkeiten nicht langweilen. Doch ein eigenes Fahrzeug ist von Vorteil. Obwohl beide Inseln durch öffentliche Verkehrsmittel gut erschlossen sind, ist man einfach flexibler unterwegs. Wo man sein Hotel wählt, ist aufgrund der geringen Distanzen (Malta misst 36 Kilometer von Südost nach Nordwest) dann zweitrangig. Wer den Rummel liebt, bucht im Großraum La Valetta, der Hauptstadt des Inselstaates. Wer die Ruhe bevorzugt, wird zum Beispiel in der St. Paul’s Bay besser bedient. Doch Vorsicht: Auf Malta herrscht Linksverkehr, und der ist ziemlich gewöhnungsbedürftig!

Titel: La Valetta (Malta) Quelle: Comedian Traveller

Wer auf dem internationalen Flughafen von Malta ankommt, findet gleich in der Ankunftshalle mehrere Anbieter von Mietwägen. Da der Preis umso günstiger wird, je länger man mietet, empfiehlt es sich, gleich für die gesamte Dauer des Aufenthalts seinen Wagen zu buchen, selbst wenn man ihn nicht jeden Tag nutzen sollte. Kleine, schnörkellose Mietautos gibt es schon ab unter 100 Euro die Woche. Noch besser ist es, den Mietwagen noch in der Heimat zusammen mit dem Urlaubspaket zu buchen, und dann gleich alle Aspekte wie Versicherung ohne Selbstbehalt oder weitere Zusatzleistungen zu berücksichtigen. Man kann dann ruhigen Gewissens alle Angebote vor Ort ablehnen, und sich auf das gebuchte Paket berufen. Nicht selten bekommt man vor Ort sogar ein kostenloses Upgrade auf ein Fahrzeug der nächsthöheren Kategorie.

Als ich dann Schlüssel und Wagenpapiere in Empfang nehme, geht es hinaus auf den großen Parkplatz vor dem Flughafengebäude. Dank der Wegbeschreibung, die man mir seitens der Mietfirma ausgehändigt hat, finden wir rasch unseren Wagen. Es ist ein kleiner, brauner Chevrolet. Bevor ich das Fahrzeug aufsperre, gehe ich noch um den Wagen herum, um auf kleinere oder größere Schäden zu kontrollieren. Diese Vorsichtsmaßnahme ist ein absolutes Muss, denn sonst hat man bei der Rückgabe keinen Beweis, dass man den Schaden nicht selbst verursacht hat. Gerade bei der von mir gewählten Variante – Komplettschutz ohne Selbstbehalt – erhält man mitunter Fahrzeuge mit kleineren Schäden, da die Versicherung alles abdeckt und die Vermieter nicht wegen jeder Bagatelle in die Werkstatt fahren. Kleinere Schäden, die man selbst verursacht, haben daher meist auch keine weiteren Konsequenzen, aber es ist trotzdem ratsam, bereits vorhandene Schäden protokollieren zu lassen, bevor man die ersten Meter fährt. Da ich auf der Beifahrerseite ein paar Kratzer bemerkt habe, gehe ich noch schnell zum Schalter zurück, halte sie auf dem Vertrag schriftlich fest und lasse mir dies von der Mietfirma per Unterschrift bestätigen.

Titel: Azur Window (Gozo) Quelle: Comedian Traveller

Als ich den Wagen aufsperre und das erste Mal ins Cockpit blicke, bekomme ich einen Schreck. Das Lenkrad ist auf der rechten Seite! Zwar war mir bewusst, dass man in Malta auf der linken Straßenseite unterwegs ist, aber dass dies auch bedeutet, auf der so ungewohnten rechten Seite zu lenken, so weit hatte ich nicht gedacht. Nicht, dass mich dieser Umstand vom Mietwagen abgehalten hätte, doch ein wenig mentale Vorbereitung wäre auch nicht verkehrt gewesen. Nun heißt es, zuerst einmal Probe zu sitzen und sich mit der spiegelverkehrten Anordnung der Bedienelemente (zum Glück nicht die Pedale) vertraut zu machen. Dann aber verladen wir unser Gepäck ins Auto und es kann losgehen.

Titel: Basilika von Ta‘ Pinu (Gozo) Quelle: Comedian Traveller

Es geht los, aber sehr verhalten. Malta hat außerhalb der Ballungsräume kaum geregelte Kreuzungen, und so gibt es bei jedem Kreisverkehr eine Vielzahl an Möglichkeiten, in die eine oder andere Richtung zu fahren. Dass die Beschilderung dabei besonders informativ wäre (zumindest für den Ortsunkundigen), kann ich nicht behaupten. Erst Tage später, als ich etwas ortskundiger werde, fällt mir das Navigieren leichter. Auch verlangt mir das Fahren auf der linken Straßenseite anfangs alles ab, denn das Schalten mit der linken Hand streut immer wieder Sand in mein Getriebe, und das instinktive (bzw. durch das Fahren unzähliger Kilometer im Rechtsverkehr trainierte) Gefühl für den Abstand zum dem Beifahrer zugewandten Fahrbahnrand bzw. zu geparkten Autos oder anderen Verkehrsteilnehmern lässt mich auf den ersten Kilometern kläglich im Stich. Folglich fühle ich mich ziemlich geschlaucht, als wir endlich das Hotel erreichen. Doch ein jeder Tag bringt mehr an Sicherheit, und gegen Ende der Woche macht es mir nicht mehr viel aus.

Titel: Ghajn Tuffieha Bay (Malta) Quelle: Comedian Traveller

Und es hat sich gelohnt. Von den Zwängen unflexibler Busfahrpläne befreit und unabhängig von Taxis, erkunden wir Tag um Tag eine andere Ecke der Insel. Von den alten Gassen und historischen Sehenswürdigkeiten La Valettas und Mdinas (der alten Hauptstadt), über die prähistorischen Tempelanlagen des Neolithikums, die schroffen Klippen bei Dingli und die Blaue Grotte an der rauen Westseite der Insel, bis hin zu den malerischen und versteckten Buchten im Nordwesten. Mit der Autofähre geht es hinüber nach Gozo, wo wir nur aufgrund der eigenen vier Räder in der Lage sind, einen Großteil der kleinen Nachbarinsel Maltas innerhalb eines Tages zu erkunden. Im Nachhinein betrachtet, hätte sich das landschaftlich und kulturell großartige Gozo einen weiteren Tag verdient, so schön und idyllisch war es dort. Das »Azurblaue Fenster« (ein Felsbogen im Meer), die Basilika von Ta‘ Pinu, die Zitadelle der Hauptstadt Victoria und die Aussicht von »Gordon’s Leuchtturm« waren nur ein paar der Highlights dieser kleinen, aber feinen Insel.

Am letzten Tag ist es dann an der Zeit, die Sachen zu packen, zum Flughafen zu fahren und das Auto zurückzugeben. Trotz des ungewohnten Linksverkehrs hat es nicht einen zusätzlichen Kratzer abbekommen (dafür habe ich ein paar graue Haare mehr). Als unser Flieger abhebt, blicken wir auf eine schöne und ereignisreiche Woche zurück. Auf Wiedersehen, Malta!

 

Eine detaillierte Beschreibung dieser Fahrt durch Malta und Gozo lesen Sie auf dem Weblog des Autors unter »Verkehrte Welt auf Malta«.

 

 

Titelbild:  Mdina (Malta) Quelle: Comedian Traveller

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