Graz besuchen

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Graz besuchen … und steirische Lässigkeit kennenlernen

 

Meine Mission an einem Juni-Wochenende: Graz besuchen! Von alleine wäre ich zugegeben nie darauf gekommen, in dieser österreichischen Stadt in der Steiermark vorbeizuschauen. In erster Linie ging es darum, eine Freundin zu besuchen. Aber es fällt einem leichter jemanden mit einem Besuch zu beehren, wenn die Stadt tatsächlich auch etwas zu bieten hat – und man nicht in die tiefste Pampa fahren muss. Steht bei Euch ein Trip nach Graz an? Oder könnt Ihr mit Graz und der Steiermark noch nicht viel anfangen? Mit meinen Erlebnissen will ich versuchen, Euch die zweitgrößte Stadt Österreichs ein Stückchen näherzubringen.

Das Grazer Rathaus am Hauptplatz

Vom 9.Juni bis zum 12.Juni habe ich eine meiner besten und liebsten Freundinnen seit Grundschulzeiten in Graz besucht. Meine Erwartungen an die Stadt hatte ich hoch geschraubt, da mir einige Leute aus meinem Bekanntenkreis versicherten, was für eine tolle Stadt Graz sei.

Donnerstag, 09.06.2016:

Die Entdeckung der Bausatzlokale und Bims

Voll österreichischer Vorfreude kam ich in der Früh am Münchner Hauptbahnhof an. Meine Stimmung trübte sich etwas, als die Deutsche Bahn wieder einmal kompetent ihre zuverlässige Unpünktlichkeit bewies. Das waren jedoch noch akzeptable 25 Minuten, die ich Kaffee schlürfend auf einer Bank mit People Watching (Ein Hobby, wo man rausgeht und Leute beobachtet. Die Art, wie sie sich verhalten, anziehen und reden. Sehr unterhaltsam.) verbrachte. Am Hauptbahnhof ist da Abwechslung garantiert.

An diesem Donnerstag kam ich gegen Viertel nach vier nachmittags mit dem Eurocity aus München sogar pünktlich am Grazer Hauptbahnhof an. Natürlich wurde ich mit Pauken und Trompeten am Bahnhof abgeholt – vielleicht war es auch weniger dramatisch. Da ich noch voll beladen war und sowieso noch nie die Wohnung meiner Freundin in Graz gesehen habe, sind wir zuerst einmal zu ihr gefahren. Das Erste, was ich gelernt habe: Die Tram bzw. Straßenbahn heißt hier Bim. Das hört sich meiner Meinung nach ziemlich lustig an. Ein klangvolles i macht jedes Wort besser. Auch die Ansagen werden meistens – sei es im Bus oder in der Bim – mit einem musikalischen „Meisterwerk“ angekündigt. Vor jedem Stationsnamen ertönt eine, nennen wir es, mehr oder weniger ansprechende Reihenfolge von Klängen.

Bausatzlokale – Pimp your burger

Mir vollkommen unbekannt waren sogenannte Bausatzlokale. Euch auch? Ich gebe mein neues Wissen gerne an Euch weiter. In Bausatzlokalen liegen auf den Tischen Zettelchen und Stifte aus. Je nachdem, in welchem Bausatzlokal Ihr Euch befindet, gibt es ein unterschiedliches Angebot zu entdecken. Dort, wo der Hunger meine Freundin und mich hingetrieben hatte, gab es Zettel, die mit Burger, Salat, Pizza, Pfanderl betitelt waren. Darauf stehen dann die Zutaten mit der Ihr Eure Pizza, Burger und Co. belegen könnt. In der Regel gibt es einen fixen Preis für 4 Zutaten. Jede weitere Zutat kostet extra. So könnt Ihr Eure Mahlzeiten individualisieren – ganz nach Eurem eigenen Geschmack. Erwartet aber nicht das Gelbe vom Ei: In Bausatzlokalen wird eben Fast Food verkauft. Deswegen ist es möglich in solchen Lokalitäten günstiger zu speisen als in „normalen“ Restaurants.

Freitag, 10. Juni 2016:

Tag der „Tour de Schlösser“

Schloss Eggenberg und seine tierischen Hofnarren

Pfad zum Schloss Eggenberg

Während meiner kurzen Zeit in Graz wollte ich natürlich die wichtigsten Sightseeing Stationen der Stadt sehen. Da darf ein Besuch im Schloss Eggenberg nicht fehlen. Zwei Euro Eintritt kostet das Vergnügen, das Schloss und den Park von außen zu bewundern. Hier führen herrliche Pfaue das Regime über den Schlosspark.

Pfauenpower am Schloss Eggenberg

Kreischend und aufbrausend laufen und hüpfen diese wunderschönen Tiere über den Park des Schlosses. Wie ein Paparazzo auf Promi-Jagd versuchte ich, diese kaum menschenscheuen Vögel mit meiner Kamera zu fotografieren und dabei noch ein tolles Motiv zu finden. Wie man sieht: Diese Pfaue wissen um ihren Charme.

Das Innere des Schlosses ist einen, ach wo, sogar mehrere Blicke wert. Die Prunkräume sind wirklich schön. Kleiner Vorgeschmack gefällig? Prunkräume im Schloss Eggenberg.

Muschelgrotte im Hof von Schloss Eggenberg in Graz

Die Muschelgrotte im Hof der Residenz: Die Muscheln sind extra so angelegt, dass das Gesamtbild an Blumen erinnert.

Good to know: Auf den ausgezeichneten Picknick-Areas könnt Ihr Euch im Schlosspark mit Eurer liebsten Decke sowie Speis und Trank breit machen.

Grazer Schlossberg: 260 Stufen zur besten Aussicht

Solange das Wetter noch mitspielte, wollten wir das nächste Highlight besichtigen: den Grazer Schlossberg. Dieser liegt zentral in der Stadt, Ihr müsst dafür nicht extra hinausfahren. Ihr könnt entweder gefühlt tausende (es sind rund 260) von Treppen besteigen, um nach oben zu gelangen. Oder Ihr fahrt mit der charmanten kleinen Schlossbergbahn. Besitzt Ihr ein Ticket der Öffis, ist die Fahrt sogar kostenlos. Hier ist die beste Aussicht über Graz garantiert.

Grandiose Aussicht über Graz auf dem Schlossberg

Good to know: Schloss Eggenberg und das historische Zentrum – dazu gehört Schlossberg – sind Teil des UNESCO-Welterbes.

Außerdem gibt es einen kleinen Park mit romantischem Pavillon, Uhrturm, Glockenturm, Major-Hackher-Denkmal (Hackher-Löwe), eine coole Open-Air-Bühne und vieles mehr. Lest am besten vorher schon etwas über die einzelnen Gebäude, damit Ihr nicht unwissend an Ihnen vorbeilauft.

Oben auf dem Schlossberg: Romantischer Brunnenkranz

Da ein Abstieg in allen Lebenslagen immer einfacher ist als der Aufstieg, entschlossen wir uns, immerhin die Treppen hinunter zu gehen. Mitten im Berg – der Eingang liegt am Fuß des Berges – befindet sich eine Veranstaltungshalle. Sowohl Partys als auch Ausstellungen und Co. finden hier einen herrlichen Austragungsort.

Good to know: Wenn Ihr in Graz einen Radler bestellt, werdet Ihr manchmal gefragt, welchen denn. Denn eine österreichische Spezialität ist der Radler mit Kräuterlimo. So wird aus Almdudler Almradler!

Samstag, 11. Juni:

Von Shopping Queens und Nachtschwärmern

Das gute Wetter hatte sich nun endgültig von uns verabschiedet. Einer der Gründe, warum wir zwei Mädels zum Shopping Center Seiersberg aufgebrochen sind. Warnung: Das ist ein modernes Labyrinth! Dafür sind hier wirklich alle Geschäfte vertreten. Etwas kleiner und übersichtlicher ist Murpark. Lasst Euch eins gesagt sein: Allein mit der Anzahl seiner Shopping Center kann Graz gut mit den Metropolen anderer Länder mithalten.

Toll fand ich, dass in Graz alles relativ gut erreichbar war. Das mag auch an der guten Lage der Wohnung meiner Freundin gelegen haben. Aber während beispielsweise in München Möbelhäuser eigentlich nur mit dem Auto gut erreichbar sind – mit den Öffentlichen ist es meistens eine Odyssee mit Bahn und Bus – fahren viele Bims 🙂 die Möbelhäuser direkt an. Diese liegen aber meistens auch nicht so weit außerhalb wie in anderen Großstädten. Zugeben: Der gigantische Shopping Spaß Seiersberg kostete mit Bim und Bus gut eine Stunde Fahrt.

Mau Shi: Asiatische Exotik in der Steiermark

Auch mit einer kulinarischen Empfehlung halte ich mich nicht hinterm (Schloss-)Berg: Super zentral gelegen ist das Mau Shi am Hauptplatz in der Altstadtpassage. Dort könnt Ihr lecker asiatisch essen gehen. Auf facebook bezeichnen sie sich selbst als “asiatisches Fusion Restaurant”. Seid bereit, Euren Geschmacksnerven andersartige Essenserlebnisse vorzustellen. Anstelle von intensiven Geschmacksverstärkern wie wir es aus gängigen Asia-Gerichten kennen, schmeckt Ihr Kokosmilch und exotische Gewürze gut heraus. Ich hatte das Tagesmenü: Eine Gemüsesuppe mit Tofu und Nudeln, gebratenes Schweinefleisch mit Kokosnussklebereis und vietnamesischen Fleischtässchen. So gut gestärkt konnte die Clubbing Nacht kommen!

Studenten-Stadt Graz besuchen … und feiern gehen!

Wer in Graz Party machen will, ist im Univiertel gut aufgehoben. Hier reihen sich Clubs an Clubs. Guest Room, Kultus… ein wahres Paradies für Studenten und die Party People unter Euch. Viele Clubs verlangen nicht einmal Eintritt. Wirklich angenehm ist es außerdem – für alle, die bereits jenseits vom Anfang ihrer Zwanziger leben: Im Univiertel müsst Ihr über 21 sein, um freien Zugang zu den Trink- und Tanzetablissements zu haben. Wir wagten uns in Kultus. Vom gutem Spargeist gesegnet (und einem kleinen Lauf), waren wir um 22.55 Uhr dort, um vom freien Eintritt vor 23.00 Uhr zu profitieren.

Sonntag, 12. Juni:

Bye, bye Graz!

Am Sonntagmorgen um 9.45 Uhr ging es bereits zurück nach München. Diesmal leider kein Direktzug, sondern mit Umsteigen im wundervollen Kaff Bischofshofen.

Fazit: Klein, aber auf jeden Fall fein. Das ist Graz für mich. Zugeben: Es hat wirklich viele Shopping Center. Was mir am meisten gefallen hat, ist die, ich nenne es mal, steirische Lässigkeit. Graz ist keine Kleinstadt aber im Vergleich zu München natürlich etwas übersichtlicher. Jedoch strahlt diese Stadt eine gewisse Ruhe aus. Auch wenn es am Wochenende natürlich auch mal voller ist, schlägt das Herz der Stadt einen ruhigeren Takt.

Martina Mroz

Martina Mroz

Als Online-Redakteurin kann die ehemalige Germanistik- und Soziologie-Studentin Ihren Lieblingsbeschäftigungen – Schreiben, Kommunizieren und die Welt entdecken – mit Begeisterung nachgehen.
Martina Mroz

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