Mit dem Zug einmal quer durch….

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…Australien, Kanada und die USA. In Zeiten von Mitfahrgelegenheiten und günstigen Flugverbindungen scheint Bahnfahren die wohl weniger attraktive Fortbewegungsvariante geworden zu sein. Ist allerdings der Weg das Ziel, so kann die Reise mit dem Zug auch zum unvergesslichen Erlebnis werden.

 

Lernen Sie im weiteren Verlauf des Artikels drei Fernzüge kennen, mit denen Sie fremde Länder erkunden können.

 

…Australien

 

OutbackGanze 55 Stunden dauert die Zugfahrt mit dem „Chan“ einmal quer durch Australien. Von Darvin im Norden bis Adelaide im Süden führt die Route auf Gleisen von 2979 km Länge. Seine eher gemächliche Geschwindigkeit gewährt einen umfangreichen Ausblick auf die vorbeiziehenden Landschaften des Kontinents.

 

Bereits im Jahre 1929 hatte der „Chan“ seine erste Jungfernfahrt. Jedoch musste es 75 Jahre dauern bis der Ausbau der Gleisen abgeschlossen war und die Reiseroute 2004 ihre vollständige Länge erreichte. Seinen Namen erhielt der Zug von afghanischen Kameltreibern, die im 19. Jahrhundert den Siedlern dabei behilflich waren Australien zu erschließen. In der Vergangenheit waren Teile der Gleise hin und wieder durch Überschwemmungen nicht mehr befahrbar. Die Passagiere mussten in solchen Fällen auf Kamele „umsteigen“. Später wurde ein Streckenabschnitt weiter nach Westen in eine trockenere Region verlegt.

 

Gäste müssen nicht die ganze Fahrt über an Bord bleiben. An den Bahnhöfen Alice Springs und Katherine bietet die Bahngesellschaft „Great Southern Railways“ sogenannte „Whistle Stop Tours“ an. Auf mehrstündigen Führungen können sich die Städte oder die umliegenden Landschaften angesehen werden.

 

Insgesamt kann zwischen zwei Klassen gewählt werden:

 

  • Die erste, der Red Service Sleep, beinhaltet vielerlei Annehmlichkeiten. Die Doppelabteile verfügen über Etagenbetten, Waschbecken, WC und Dusche. Außerdem steht den Gästen ein Kundenservice rund um die Uhr zur Verfügung.
  • In der zweiten Klasse, dem Red Service Seat, sitzen die Passagiere auf paarweise angeordneten, verstellbaren Sitzen, welche ausreichend Beinfreiheit bieten. Die Toiletten sowie Duschen befinden sich hingegen am Wagenende und sind für alle Insassen zugänglich.

 

Wer Australien von West nach Ost kennen lernen möchte, der kann mit dem wesentlich günstigeren „Indian Pacific“ reisen. Dieser Zug verbindet Perth mit Sidney und ist weniger komfortabel ausgestattet als der „Chan“.


…Kanada

 

Kanada-British Columbia-Yoho National Park-Emerald LakeDie kanadische Bahngesellschaft Via Rail  macht mit dem „Canadian“ das Bahnfahren zu einem atemberaubenden Erlebnis, dem sich jeder Kanadier zumindest einmal im Leben nicht entziehen kann. Der Kopf eine blaugelbe Diesellokomotive, 23 Wagen bilden den mit Chrom ummantelten Leib. Mit bis zu 3000 PS schlängelt er sich durch die kanadische Landschaft.

 

Auf der 4600 km langen Route zeigt das zweitgrößte Land der Erde, welche Schätze es in Hinblick auf Flora und Fauna zu bieten hat. Ausgangspunkt ist Toronto im Osten, Endstation ist Vancouver im Westen an der Pazifikküste. Dazwischen wechseln sich beeindruckende Landschaften einander ab. Der Naturfilm zieht regelrecht am Fahrgast vorüber. Rocky Mountains, die Weiten des Landesinneren, riesige Seen oder dichte Wälder erwarten den gebannt nach draußen schauenden Gast.

 

Den Blick nach draußen gewährt insbesondere der „Dome Car“, ein mit einem Glasdach versehenen doppelstöckiger Panoramawagen.

 

Passagiere der ersten Klasse residieren im Schlafabteil mit Doppelstockbett, Waschbecken und separater Toilette. Die Betten verschwinden am Tage in der Wand und schaffen Platz für bequeme Sitzgelegenheiten. Auch für kleineres Budget kann im Zug genächtigt werden, auf Kojen, verdeckt hinter langen Vorhängen. Für Gäste steht pro Wagon eine Dusche zur Verfügung.

 

Wer die Reise wirklich auskosten möchte, für den werden auch zweiwöchige Reisen mit dem „Canadian“ für umgerechnet etwa 2.500 € angeboten. An den Zwischenhaltestellen Capreol, Winnipeg, Edmonton, Hinton, Jasper, Banff und Kamloops können Berge, Wälder oder Seen auf eigene Faust oder in Begleitung eines Touristen-Führers erkundet werden.

 

Besonders eigen gilt der „Canadian“ in Bezug auf Pünktlichkeit. In Kanada hat der Güterverkehr Vorrang vor allen Personenzügen. Es kommt demnach nicht selten vor, dass der „Canadian“ hin und wieder für kurze Zeit auf dem Abstellgleis verweilt und somit mit erheblicher Verspätung sein Ziel erreicht.

 

…die USA

 

ZephyrDer wohl mit Abstand bekannteste transkontinentale Zug Nordamerikas ist der „California Zephyr“ Dieser verkehrt täglich zwischen Chicago im Osten und San Francisco im Westen. Er fährt durch Nebraska nach Denver. Danach durchquert der Zug die Rocky Mountains und macht einen Zwischenhalt in Salt Lake City. Steilen Abhängen trotzt der Zug ebenso wie deutlich spürbaren Höhenunterschieden.

 

Die Zugfahrt dauert etwa 56 Stunden. Dabei werden ungefähr 4.000 km zurückgelegt. Eines der landschaftlichen Höhepunkte ist der Moffat Tunnel, auf der gesamten Strecke mit 2.850 m der höchste Punkt. Neben den Rocky Mountains gibt es noch viele weitere Landschaften zu entdecken. So zum Beispiel die Sierra Nevada, eine verschneite Gebirgskette parallel zum Pazifik gelegen, oder der Glenwood Canyon, die riesige Felsschlucht am Colorado River. Doch damit nicht genug. Auch unweit der Endstation San Francisco lassen sich großartige Landschaftsimpressionen sammeln. Die San Pablo Bay oder die Carquinez Strait sind nur einige der erwähnenswerten US-amerikanischen Regionen, welche einen Besuch wert sind.

 

Wer die Nächte im Zug verbringen möchte, kann zwischen verschiedenen Abteilen wählen:

 

  • Superliner-Standard-Abteil: In diesem Abteil befinden sich zwei komfortabel Sessel, welche sich nachts zu Betten umfunktionieren lassen. Dusche und WC befinden sich unweit vom Abteil.
  • Sperliner-Deluxe-Abteil: Diese sind ausschließlich im Obergeschoss der Schlafwagen angeordnet. Ein Abteil solcher Art ist zusätzlich mit Dusche und WC ausgestattet. Manche dieser Schlafkabinen lassen sich mit einer weiteren verbinden. So ist dann das Übernachten von vier Personen in einem geräumigeren Abteil möglich.
  • Superliner-Familien-Abteil: Im unteren Schlafwagen-Bereich erstreckt sich dieses Abteil auf die gesamte Breite des Wagons. Mit anderen Worten kann der Ausblick auf die beeindruckende US-amerikanische Landschaft auf beiden Seiten genossen werden.
  • Coach Class: Passagiere, die einen kürzeren Aufenthalt eingeplant haben, können auch einen Platz in der Coach Class buchen. Sie sitzen auf bequemen Sesseln und haben die Möglichkeit sich im angrenzenden Speisewagen zu verpflegen.


„Zephyr“, die mythologische Bezeichnung für den Gott des Westwindes. Wie Winde wehen sie über Berg und Tal: der „Chan“, der „Canadian“ oder der „Zephyr“. Ob in den USA, in Australien oder Kanada, eine Fahrt in den drei vorgestellten Zügen verspricht ein einprägsames Bild imposanter und unberührter Naturlandschaften. Steigen Sie ein und begeben Sie sich auf eine Zeitreise zurück in die Epoche der Entdeckung neuer Welten!

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
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