Faszination Surfen

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 Das Stichwort Surfen weckt Ideen und Fantasien einer Sportart, welche nicht selten mit Klischees besetzt ist. Braun gebrannte, sportliche Körper gleiten auf den Wellen dieser Weltmeere dahin. Scheinbar mühelos trotzen sie den Naturgewalten Luft und Wasser. Doch so einfach wie der Wellenritt vermuten lässt, ist es nicht. Wir geben Ihnen im Folgenden einen tieferen Einblick in den Mythos des Surfens.

 

Entstehung der Sportart

 Wenn man alten Höhlenmalereien auf den polynesischen Inseln Glauben schenken darf, so hat dort das Surfen seinen Ursprung. Um etwa 1720 wurde diese Freizeitbeschäftigung der Polynesier nach Hawaii exportiert. Für die Hawaiianer war das Surfen schon bald mehr als nur eine Sportart, ein wichtiger Bestandteil ihrer Religion.

 Um 1778 entdeckte Kapitän James Cook Hawaii. Im Zuge seiner Reise verfasste er die ersten schriftlichen Überlieferungen des Surfens. Sein Erstaunen über das äußerst geschickt anmutende Wellenreiten der Einwohner ist nicht zu überlesen.

 Um 1820 trafen Missionare auf der Inselgruppe ein und verboten in Hinblick auf den christlichen Glauben kurzerhand das Wellenreiten. Erst Mark Twain und Jack London griffen in ihren Entdeckungsschriften das Thema wieder auf und sorgten für gesteigertes Interesses.

 Zu einem regelrechten Surfboom in den USA kam es in den 50er Jahren dank der Filme „Gidget“ und „Endless Summer“. Seitdem steht Surfen überall auf der Welt für ein Lebensgefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit, im Einklang mit der Natur und seinen Elementen.

 

Surfen in Deutschland

 

Kaum zu glauben, aber Deutschland hat in der Tat tolle Surfer-Hotspots zu bieten. Zum Surfen muss nicht gleich das Land verlassen werden. Insbesondere an der Nord- und Ostsee finden sich für Anfänger und Profis geeignete Plätze.

 Das Wellenaufkommen ist an beiden Meeren sehr unterschiedlich. Prinzipiell ist die Ostsee für Surf-Neulinge eher geeignet. Die Wellen sind weit weniger stark als an der Nordseeküste. Die dortigen Wellengänge sind mitunter so heftig, dass sich nur Fortgeschrittene auf ihre Bretter begeben sollten.

 Für Surf-Anfänger besonders geeignet ist die Insel Fehmarn. Die Ortschaften Hünengrad, Teichhof und Westermarkelsdorf sollten auf der Agenda notiert werden. Auch in der Nordsee, genauer gesagt am Norddeich in Ostfriesland, können ruhigen Gewissens die ersten Versuche unternommen werden. Die vorgelagerten Sandbänke schwächen den Wellengang ein wenig ab.

 Die Mehrheit der Nordsee-Strände ist vorwiegend für Fortgeschrittene geeignet. Bekannte und beliebte Spots sind der Timmendorfer Strand an der Ostküste Schleswig-Holsteins und die gesamte Westküste der Insel Sylt. Insbesondere von Mai bis September treffen sich auf Sylt auch internationale Surf-Liebhaber.

 Noch bequemer ist es, seine ersten Erfahrungen direkt vor der Haustür machen zu können. So zum Beispiel in München. Der Eisbach im Englischen Garten avancierte in den letzten Jahren zur ersten Adresse für Surfbegeisterte. Der etwa 2 km parallel zur Isar verlaufende Fluss ist keineswegs zu unterschätzen. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine „Stehende Welle“, eine Welle, welche seit dem Anbringen eines Anbaus an einer der beiden Flussseiten durch eine Steinstufe erzeugt wird. Direkt hinter der einen halben Meter hohen Welle ist der Grund mit Steinquadern versehen. Diese können insbesondere bei noch unerfahrenen Surfern zu Verletzungen führen.

 

Surfen in den europäischen Nachbarstaaten

 

Wem Deutschland doch zu unspektakulär erscheint, für den gibt es auch zahlreiche Ausweichmöglichkeiten in die europäischen Nachbarstaaten. Über den großen Teich muss also für eine tolle Surf-Erfahrung nicht gereist werden. Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Polen bieten ausgezeichnete Regionen zum Wellenreiten.

 Die dänische Halbinsel Jütland besticht durch eine 500 km lange Westküste mit hohen Dünen und weiten Heidelandschaften. Am Skagerrak, im Norden Jütlands, befinden sich die Orte Klitmøller und Nørre Vorupør, die absoluten Hotspots für Surfbegeisterte.

 An der französischen Côte d’Argent, dem atlantischen Küstenstreifen am Golf von Biskaya, erstreckt sich ein kilometerlanger, fast ununterbrochener Sandstrand.  Der mit 240 km längste Sandstrand Europas eignet sich besonders für fortgeschrittene Surfer. Erster und bekanntester Anlaufpunkt ist Hossegor. Dort finden regelmäßige Meisterschaften statt. Leider ist der Andrang von Frühling bis Herbst auch dementsprechend hoch.

 Auch die Niederlande hat eine lebhafte Surf-Kultur zu bieten. Für Neulinge ist das Ijsselmeer zu empfehlen. Seine Lage zwischen dem westlichen und östlichen Festland sowie die vorgelagerten westfriesischen Inseln machen den rauen Wellengang der Nordsee weniger spürbar. An den westfriesischen Stränden kann sich dann dem Schwierigkeitsgrad entsprechend gesteigert werden. Besonders breite Strände hat die westfriesische Insel Schiermonnikoog.  Auch an der niederländischen Ostküste gibt es einige erwähnenswerte Surfspots zu entdecken. Die Orte Noordwijk, Katwijk und Scheveningen sollten von jedem Surfer angesteuert werden.

 Beim Gedanken an Wellenreiten fällt Laien wohl kaum auf Anhieb Polen ein. Doch nichtsdestotrotz hat sich der östliche Nachbarstaat in nur wenigen Jahren unter Profis zu einem Ostsee-Surfparadies entwickelt, welches den Vergleich mit weitaus bekannteren Spots nicht scheuen muss. Zu erwähnen sind die schmale Halbinsel Hel und der Ort Dębki am nördlichsten Punkt Polens, die erste Adresse in puncto Wassersport.

 

 

Wichtige Grundregeln

 

Neben aller Lebensfreude sollte nicht vergessen werden, dass sich beim Surfen unter Umständen auch in Lebensgefahr begeben werden kann. Selbstüberschätzung ist bei allen Arten des Surfens nicht angebracht. Ob Windsurfen, Kitesurfen, Wakeboarden oder die klassische Variante des Surfens mit dem Long-/Shortboard, über die individuelle körperliche Fitness sollte sich jeder im Klaren sein.

 Gute Schwimmer sollten Surfer grundsätzlich sein. Ein Seepferdchen-Abzeichen reicht vielerorts nicht aus! Überdies sollte sich vor jedem Wellenritt umfassend über die Surfregion informiert werden. Wie ist das durchschnittliche Klima, wie verhalten sich die Gezeiten? Gibt es Strömungen? Und ganz wichtig: Wie sieht die Unterwasserlandschaft aus? Variiert die Tiefe oder gibt es gar von außen nicht sichtbare Felsen?

 Diese Informationen lassen sich zwar leicht und recht schnell zusammentragen, jedoch ersetzen sie keine wirklichkeitsnahen Erfahrungen. Vor allem Anfänger tun nicht gut daran, auf das Wissen erfahrener Surfer zu verzichten. Bevor sie sich also in die erste Welle stürzen, ist anzuraten, zumindest einen Basis-Kurs zu absolvieren. Wenn sich das Grundwissen angeeignet worden ist, ist es dennoch in jedem Fall besser, sich im Beisein eines fortgeschrittenen Surfers ins Wasser zu wagen. Nur so kann sich ein Gefühl für die Naturgewalten Wind und Wasser einstellen.

 Schon gewusst? Surfer grüßen sich untereinander! Sie geben sich zwar nicht die Hand, dennoch ist ein simples Zunicken gang und gäbe. Beherzigen Sie dies neben allen weiteren Vorkehrungen und das erste Surf-Erlebnis macht Ihnen auch Lust auf mehr.

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich

Christoph Wunderlich hat Romanistik in Leipzig studiert. Er arbeitet seit 3 Jahren als Online-Redakteur in München.
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